Rocker 2.0 - Die Evolution der Biegelinie

22.02.2011 - TOPSTORY

Burton Flying-V vs Libtech C2 Banana Rocker

Wenn es ein Snowboardwort der letzten zwei Saison geben würde dann wäre es „Rocker“. Die revolutionärste Entwicklung der Snowboardszene seit Abschaffung der Baseless Bindung hat mittlerweile auch die Skiindustrie befallen. (Dort dauert es eben immer etwas länger – Stichwort carven)
Fast jede Snowboardboard Company ist auf den Rocker-Hype aufgesprungen, teilweise sind 50% der gesamten Kollektion mit positiver Vorspannung. Womit wir schon bei der Definition sind. Entgegen einem negativ vorgespannten „Camber“ Board steigt ein Board mit Rocker Biegelinie, wenn es flach am Boden liegt, zu Nose und Tail hin an. Der entscheidende Vorteil liegt in der Drehfreudigkeit und dem verzeihen von Fehlern. Auf den letzten 30 cm zu Nose und Tail berührt die Kante den Schnee nur noch ganz selten. Das Board fängt sich weniger im Schnee und gräbt sich schon gar nicht ein. Im Powder verbessert der Rocker den Auftrieb ganz entscheidend, weil die Nose weiter nach oben kommt.
Wenn die Drehfreudigkeit zunimmt, verschlechtert sich meist der Kantenhalt. Das ist auch das große Manko am Rockerdesign. Generell sind die Boards ohnehin schon sehr weich um im Freestyle Einsatz zu gefallen und dann verlieren sie durch die kürzere effektive Kante zusätzlich Grip. Je weicher das Board im Bereich des Tails ist, desto weniger Pop hat es. Einen ordentlichen Ollie zu machen wird schon schwer, denn bei zu viel Druck biegt sich das Board durch, weicht aus und schon flattert man wie ein Eislauf-Neuling um die Rückenlage auszugleichen. Auf der Suche nach einer Waffe für harte Pisten und Pipes war man bislang im Rocker-Regal deshalb an der falschen Stelle.

Aus diesem Grund gehen die Firmen einen Schritt weiter und basteln an unterschiedlichen Rockervarianten. Von ganz planen Shapes bis hin zu Kombinationen aus Rocker und Camber wird alles ausprobiert. Speziell im Bereich unter der Bindung ist eine positive Vorspannung von Nachteil, soweit sind sich die Hersteller einig. Auch den Kantengrip versuchen alle Anbieter zu verbessern.

Für unseren Rocker 2.0 Test haben wir die High-End Entwicklungen von zwei der wichtigsten Brands im Rockerbau verglichen. Libtech hat mit seiner Banana Technologie den Rocker-Boom entscheidend eingeläutet und ist mittlerweile mit dem C2 Banana Shape im C2BTX Travis Rice Board einen guten Schritt weiter.

Rocker Entwicklungen Produkttest
Libtech C2 Banana Rocker

Dem haben wir von Industrieleader Burton den neuen Flying-V Rocker im komplett neuen Sherlock Board gegenüber gestellt.
Beide Firmen verfolgen ein sehr ähnliches Konzept mit der Biegelinie. Seitlich entlang der Kante betrachtet machen beide Shapes eigentlich fünf verschiedene Umformungen mit. Zwischen den Bindungen ist jeweils eine Rocker Biegelinie, die Boards steigen also Richtung Nose und Tail an. Unter den Bindungen wechselt die Biegelinie auf einen klassischen Camber Shape. Burton fügt vor Nose und Tail sogar noch eine Rocker Sektion ein, bevor der Schaufelradius beginnt. Es sieht so aus als hätte man sein Board am Parkplatz vergessen und der Nächste ist mit dem Auto drüber gefahren. Jetzt wissen wir auch warum Wille Yli-Luoma schon vor mehr als 10 Jahren nach einem Air&Style krampfhaft versucht hat, sein Board unter die Räder des Shuttlebusses zu pressen. Er war seiner Zeit einfach voraus ... oder total besoffen!

Burton Flying-V Rocker
Burton Flying-V Rocker

Nomen ist Omen, denn dass Travis Rice auf sein Board mit „Horsepower“ steht ist wohl klar. Die Amerikanische Produktionsstätte Mervin hat für Travis einen echten Alleskönner geschmiedet. Das C2BTX fährt sich auf Anhieb sehr vertraut und vermittelt in jedem Gelände Stabilität, Kantenhalt und Spaß. Mithilfe der Magne-Traction Kanten hält das Board ausgezeichnet auf Eis und ist deshalb auch in harten Pipes und Pisten daheim.

Libtech Magne-Traction
Libtech Magne-Traction Kanten sehen aus wie ein Brotmesser um den Kantenhalt vor allem bei Rockershapes zu verbessern
Burton Smooth Ride
Burton Smooth Ride Dämpfungstechnologie absorbiert Schläge.
Die Frostbite Kanten verlaufen unter der Bindung leicht nach außen für mehr Grip

Burton definiert sein Sherlock als Freestyleboard zum powdern. Das merkt man sofort, denn das Board ist etwas verspielter und dreht sich noch leichter. Der Rocker zwischen den Bindungen ist stärker aufgebogen, weshalb auch die Gegenbewegung unter den Bindungen stärker ausfällt. Optisch wirkt die Biegelinie noch krasser. Beim Kantenhalt kommt es nicht ganz an das Libtech heran, macht aber dennoch einen riesen Schritt im Vergleich zu einem normalen Rockerboard.
Beide Bretter eignen sich hervorragend als „Eines für Alles“. Verspielt wie ein Rocker- mit den Genen eines klassischen Camber-Snowboards. Beide können ruhig 2-3 cm kürzer gefahren werden, denn Dank des Rockers in der Nose haben sie mehr Auftrieb im Powder.


Zu den Produkttests:

>>Libtech C2BTX Travis Rice Horsepower

>>Burton Sherlock Flying-V


Weitere Links zum Thema:
www.burton.com
www.lib-tech.com