Lande-Airbag am Kreischberg

08.01.2018

Knapp vor Jahresende wurde am Kreischberg der neue Landeairbag für Big Air Jumps eröffnet. Seither können dort exklusiv die ÖSV Freestyler für Olympia trainieren. Wir waren einen Tag nach der Präsentation vor Ort und haben dem Team zugesehen

Am 29. Dezember wurde der neue Freestyle Airbag am Kreischberg eröffnet. Das neueste Produkt der Firma Progression Airbags, bei der auch Ex Pro Marc Andre Tarte seine Finger im Spiel hat ist eine mit 24x60 Metern überdimensionale Hüpfburg für Snowboarder. Dabei ist der gesamte steile Landehügel mit einem Airbag überzogen und endet unten in eine Art Quarterpipe, die den Schwung abbauen soll. 

Bisher konnten nur die kanadischen und US Snowboard Pros auf solchen Anlagen trainieren und neue Tricks einstudieren. Anna Gasser hatte im Sommer die Gelegenheit, den Bag in den USA zu testen und wusste sofort, dass wir in Österreich auch so ein Teil benötigen: "Der Lande-Airbag bietet vor allem beim Einstudieren neuer Sprünge unschätzbare Vorteile, weil das Verletzungsrisiko aufgrund der weichen Landung in einem Luftkissen auf fast null reduziert wird", erklärte die Kärntnerin.

Philipp Kundratitz im Landeanflug auf den Airbag. Hätte er den Trick verpatzt, wäre auch nichts passiert, da der gesamte Landehügel steil und weich gepolstert ist.
Der Progression Airbag misst 24x60 Meter und überzieht den gesamten Landehügel und Auslauf mit einem dicken Luftkissen.
Jetzt bleibt nur zu hoffen, dass der Kreischberg den Airbag auch nachhaltig nutzen kann. Von der Halfpipe (links im Bild) kann man das leider nicht behaupten. Diese wurde seit 2002 immer nur für Weltcups und zwei Weltmeisterschaften geshapt. Meist war sie wenige Tage nach den Events schon nicht mehr ordentlich fahrbar.

Die Kärntnerin war auch die treibende Kraft dahinter, dass dieses bahnbrechende Projekt innerhalb kürzester Zeit nun in Österreich umgesetzt wurde. Trotz der Tatsache, dass die Murtal Seilbahnen Betriebs GmbH als Betreiberin des Kreischbergs sowie private Partner rasch ihre Unterstützung zugesagt hatten, fehlte zunächst noch ein hoher Betrag, um die Anschaffungs- und Errichtungskosten in Höhe von 220.000 Euro abzudecken. Bei der "Lotterien Sporthilfe Gala" Anfang November in Wien, in deren Rahmen Anna Gasser als erste heimische Snowboarderin zur Sportlerin des Jahres gekürt wurde, packte die 26-Jährige die Gelegenheit beim Schopf und brachte ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel dieses zukunftsweisende Projekt näher.

"Präsident Peter Schröcksnadel war sofort davon überzeugt, dass die Anschaffung dieses Lande-Airbags notwendig ist, damit unsere Athleten auch in Zukunft international konkurrenzfähig sind. Er hat mir nach einem Gespräch, das keine fünf Minuten gedauert hat, eine großzügige finanzielle Unterstützung seitens des ÖSV zugesagt. Dafür möchte ich mich stellvertretend für alle heimischen Freestyle-Snowboarder und Freeskier sehr herzlich bei ihm bedanken", sagte Gasser.

"Wir wollen unseren Athletinnen und Athleten aller Sparten optimale Trainingsbedingungen in Österreich bieten. Als mir Anna Gasser von diesem Projekt erzählt hat, war für mich sofort klar, dass sich der ÖSV mit einem namhaften finanziellen Betrag daran beteiligen wird. Kurzfristig soll damit Anna und ihren Teamkolleginnen und -kollegen die bestmögliche Vorbereitung auf die Olympischen Spiele in Pyeongchang ermöglicht werden. Langfristig wird die Anlage dazu dienen, weitere heimische Freestyle-Talente an die Weltspitze heranzuführen", betonte ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel.

Während die hohen Anschaffungs- und Errichtungskosten weitgehend abgedeckt sind, klafft bei den Aufwendungen für den laufenden Betrieb noch eine größere Lücke. Dabei geht es um einen Betrag in der Höhe von 50.000 Euro, der unter anderem mit Hilfe der Crowdfunding-Plattform "I believe in you" (www.ibelieveinyou.at) finanziert werden soll. "Wir sind den Hauptpartnern ÖSV und Kreischberg für die großartige Unterstützung sehr dankbar. Dass in den Snowboardsport eine Summe von 220.000 Euro investiert wird, ist nicht alltäglich. Dazu haben mit Sicherheit die herausragenden Erfolge sowohl von Anna Gasser als auch des gesamten ÖSV-Snowboard-Teams in der Vorsaison und der damit verbundene Aufschwung unserer Sportart beigetragen. Wie sehr sich unsere Athleten mit dem Airbag-Projekt identifizieren, zeigt auch die Tatsache, dass sich das Team geschlossen an den Aufbauarbeiten beteiligt hat", erläuterte Christian Galler, der sportliche Leiter für Snowboard im ÖSV.

Dass Anna Gasser mit ihrer „Airbag-Idee“ an den Kreischberg herangetreten ist, kam nicht von ungefähr. Schließlich hat die Millstätterin in der Obersteiermark im Jahr 2015 mit Silber im Slopestyle ihre erste WM-Medaille gewonnen. Im Jänner des heurigen Jahres feierte Gasser dort zudem ihren ersten Slopestyle-Weltcupsieg. Die Kreischberg-Verantwortlichen rund um die Eigentümerfamilie Moser sowie die Geschäftsführer Karl Fussi und Reinhard Kargl haben innerhalb kürzester Zeit grünes Licht für das Airbag-Projekt gegeben.

"Damit ist der Kreischberg neben Mammoth Mountain im US-Bundesstaat Colorado das weltweit einzige Skiresort mit einer derartigen Anlage. Drei weitere Airbags dieser Art gehen auf Initiativen von privaten Freestyle-Teams zurück. Wir sind stolz darauf, dass die Kreischberg-Seilbahnen als Betreiber dieser in Europa einzigartigen Anlage auftreten", hielt Karl Fussi, der Geschäftsführer der Murtal Seilbahnen Betriebs GmbH, fest.

"Für den Kreischberg ergeben sich mit dieser Anlage viele interessante Perspektiven für die Zukunft. Damit stärken wir nicht nur unser Image und erhöhen unseren Bekanntheitsgrad, sondern positionieren uns auch als exklusives Trainingszentrum mit Lande-Airbag. In einem nächsten Schritt werden wir die Möglichkeiten einer Erweiterung auf einen Ganzjahresbetrieb prüfen. Der Kreischberg will sich zukünftig nicht nur als europäisches Freestyle-Trainingszentrum etablieren, sondern auch weiterhin im Weltcup-Kalender bleiben. So ist für Jänner 2019 ein Slopestyle-Weltcup im Murtal in Planung", ergänzte Fussi.

Jetzt bleibt nur zu hoffen, dass der Kreischberg den Airbag auch nachhaltig nutzen kann. Von der Halfpipe (siehe Bild oben) kann man das leider nicht behaupten. Diese wurde seit 2002 immer nur für Weltcups und zwei Weltmeisterschaften geshapt. Meist war sie wenige Tage nach den Events schon nicht mehr ordentlich fahrbar.