Obwohl nur schwer vorstellbar ist der Libanon ist ein geniales Winterziel für Board- und Skifreaks. Der Kärntner Extrem- Snowboarder und Ex-Snowboard Pro Oliver Thonhofer waagte sich im Februar in die Krisenregion. "Sport ohne Grenzen" heißt sein Projekt, und dies war nur der 1. Teil.

Snowboarden im arabischen Raum.mit einem internationalen Team bestehend aus 2 Syriern, 2 Israelis und 2 Libanesen. Oliver versucht über den Sport ein Zeichen der Verständigung und des Friedens zu setzen - mit dieser internationalen Gruppe will er eine gemeinsame 3 Berge Tour im Faraya-Mzaar Gebiet (45 min von Beirut entfernt) machen.
Unterstützt wird das Projekt von Rossignol, Smith Eyewear, Ortovox und dem Hang Loose Snowboardshop in Wien.
  Libanon, Blick auf das Faraya-Mzaar Massiv  
Blendend weiß leuchtet von weit her der schneebedeckte Kamm des Libanongebirges, arabisch Luban. Es ist dieses Gebirge (bis zu 3083 m hoch), dem das Land seinen Namen verdankt: Libanon, Land des yoghurt-weißen Gebirges.

  Olivers skeptischer Blick zum Lift im Libanon  
Einige Tage nach dem Anschlag auf den libanesischen Ex-Premier und Volkshelden Rafiqe Hariri startet, der Kärtner Oliver Thonhofer, in den Libanon Nähe Beirut.  Niemand glaubt wirklich, was Sie hier tun wollen, aber die meisten Libanesen sind begeistert von der Idee:

Kreuz und quer geht es auf den Strassen zu - kein System. Zum erste Mal denke ich, wie schön es ist, in einem System zu leben. Von der Autobahn runter geht es extrem steil bergauf und nach ca. 15 Fahrminuten kann ich kaum glauben, was ich sehe. Tiefverschneite Gebirgszüge in makellosen Zustand. Reines Backcountry Gebiet. Endlose, unverspurte Hänge so weit man schauen kann. Da musst du in den Orient fahren, um perfekte Hänge zu finden! Keine Felsen, keine Bäume - keine Lawinengefahr, einfach perfekt.
Das nur 45 min Fahrzeit von Beirut entfernte Gebiet nennt sich Faraya-Mzaar und wurde in den 1930ern von den Franzosen erstmals erschlossen. Das Panorama ist unglaublich - rechts und links türmen sich die Schneemassen bis zu 4 Meter, und wohin man schaut von der Natur perfekt designte Lips. Welche nur darauf warten von uns geküßt zu werden. Oben angekommen treffe ich dann die anderen internationalen Snowboardkollegen (2 Syrer Rafiqe/Asma, 2 Israelis Anna/Ariel und 2 Libanesen Romy /Ibrahim). Wir besprechen die von mir geplante Geschichte nochmal und alle sind sich einig das wir uns an Spielregeln halten müssen.

Man muss natürlich verstehen, dass sich diese drei Volksgruppen normalerweise nicht sehr gut verstehen. Sie hatten am Anfang alle große Bedenken ob das die paar Tage gut geht, da sie sich untereinander nicht kannten. Jeder von uns weiß ja mit welchen Problemen diese Länder zu kämpfen haben. Ich kann nicht leugnen, dass es am Anfang einige Spannung zwischen den Ridern gab, aber das legte sich im Laufe der Zeit, da wir die Politik einfach aus dem Spiel ließen. Außer ich versuchte immer wieder mit den einzelnen über die Problematik zu sprechen, dadurch war ich wie ein Filter und konnte die Situation besser einschätzen.
  Naturpisten im Faraya Gebiet  
Am nächsten Morgen treffen wir uns bei strahlenden Bergwetter am Fuße des Faraya-Mzaar-Massivs. Wir starten unsere 3 Bergegipfeltour am Fuße des Dome de Warde der 2347 m hoch ist und schauen uns während dessen immer wieder die Route zum daneben liegenden Dome Jabal Dib (2296 m) an. Nach ca. 1,5 Stunden Fußmarsch stehen wir am Gipfel und können uns eigentlich nicht entscheiden, wo wir fahren sollen. Ein Spot genialer als der andere, durchzogen mit vielen Lips. Aufstieg zum Dome Jabal Dib, die Sonne brennt jetzt um die Mittagszeit schon extrem herunter, und es herrschen hier fast ähnliche Verhältnisse wie auf einem Gletscher im Sommer.

Am hinteren Kamm zwischen Dome Jabal Dib und Dome du Mzaar (2465m) bekommen wir ein überwältigendes Panorama zu sehen. Unendliche Weiten von Schnee und weitläufigen Hängen, optimal für Tourengeher. Ab jetzt ändert sich auch der Schnee - es wartet der schönste und perfekteste Firn, den ich je gefahren bin. Mit Vollgas geht´s in der gesamten Gruppe bergab Richtung Junction. Am Junction angekommen, haben wir nur noch ca. 3 Stunden Zeit für den nächsten Aufstieg. Wir diskutieren etwas herum, ob zu Fuß oder mit dem Lift und nehmen schließlich die technische Errungenschaft zu Hilfe. Der Aufstieg hätte uns ca. 2,5 Stunden gekostet, und wir wollen doch auch etwas Spaß haben. Oben machen wir uns gleich auf den Weg zum Gipfel des Dome du Mzaar (2465 m). Beeindruckend wieder die unglaubliche Aussicht auf Beirut und das Meer. Hier hat man die Möglichkeit, gleich von mehreren Seiten abzufahren. Jeder sucht sich seine Route nach unten. Die Stimmung ist extrem gut und wir freuen uns schon auf die nächsten Tage. Der nächste Tag ist wieder ein Wahnsinn, wir alleine in diesem von der Natur perfekt gestalteten Gebiet. Wir fahren, was geht, springen einen Lip nach dem anderen und suchen den perfekten Firn am Nachmittag. Am Schluß haben wir ja noch den einen Super-Run von Dome du Mzaar ins Nachbartal offen, auf den wir uns schon den gesamten Tag freuen.
Wir fahren noch zwei unglaubliche Runs und machen uns dann auf den Weg zum Gipfel Dome du Mzaar. Der Blick hinunter ist einfach gewaltig. Extrem weite Fläche mit feinstem Powder. Obgleich des perfekten Abschlußruns, von dem die meisten Boarder nur träumen, sind wir unten angekommen richtig traurig. Es war unser letzter gemeinsamer Tag am Schnee und die meisten müssen zurück nach Hause.
  Am Weg vom Dome de Mzaar Richtung Beirut  
Wir verbrachten wunderbare Tage in diesem wunderschönen Gebiet Faraya Mzaar welches ideal zum Snowboarden, Skifahren, Tourengehen, Skidoofahren, Wandern und Paragleiten ist.
Wir haben es gemeinsam 3 Tage ohne Probleme bezüglich Nationalität oder Religionszugehörigkeit geschafft. Einfach nur Spaß am Sport - und haben damit ein Zeichen gesetzt, dass Sport über die Grenzen und Nationen hinausgeht. Hier im Libanon ist die Freiheit am Berg doch grenzenloser - obwohl gleich um die Ecke Syrien und Israel liegen.

Die nächsten Planungen gehen in Richtung Iran, zu Gebirgszügen mit über 5000 Metern Höhe.

Noch ein dickes Thanx an die Sponsoren:
Rossignol
Smith Sports
Ortovox
Hang Loose

Bericht: Oliver Thonhofer
Text: da_griko