Interview Jan Sauer.
Obwohl er erst seit 5 Jahren auf dem Wakeboard steht, ist das bayerische Powerpaket Jan Sauer bereits ein fester Bestandteil des europäischen Wakeboardzirkus. Kämpfte er zu Beginn seiner Contest-Karriere manchmal noch unglücklich und stürzte bei 180° oder Roll Revert, gehört er seit letztem Jahr genauso zu jedem Finale wie Pommes zum Wiener Schnitzel.
Auch sonst scheint bei dem sympathischen Bayern alles mehr als glatt zu laufen: 3. Platz beim European-Tourstop auf Krk (Kroatien), einen dicken Part im neuen Video „Ticket“ und den Giganten Liquid Force als neuen Sponsor. Aber Jan ist auf jeden Fall einer der Fahrer, dem man jeglichen Erfolg nur zu gerne gönnt, denn er lebt den Sport wie kaum ein anderer, er gibt bei allem was er macht 110% und hat trotzdem immer ein offenes Ohr für jegliche Fragen und Probleme. Wakeboard.ag hat den Partymaker bei seiner Heimanlage in Schwandorf getroffen und ihn zur Rede gestellt.

wakeboard.ag:
Hallo Jan, wie läufts bei dir im Moment?
Ich bin echt super zufrieden im Augenblick, weil eigentlich fast alles so läuft, wie ich es mir vorstelle. Natürlich gehts im Leben mal auf und mal ab, und manchmal hat man halt Pech und fällt beim Contest rein, aber im Moment kann ich mich wirklich nicht beschweren.
Seit letzter Saison kann man in jedem Finale mit dir rechnen, wie ist der Knoten bei dir endgültig geplatzt?
Ich denk, dass ich ganz einfach nicht mehr nervös bin. Bei meinen ersten Wettkämpfen wollte ich es manchmal mit der Brechstange versuchen und jetzt nehme ich das Ganze etwas lockerer und fahr immer so wie ich mich grad fühle. Aber allgemein sind mir Contests gar nicht so wichtig und vielleicht klappts auch deswegen besser.
Sind Wettkämpfe für dich nur Nebensache?
Naja, ganz so extrem ist es nicht. Contests sind natürlich schon wichtig, damit man ganz einfach sich selbst, seine Sponsoren und den Sport repräsentiert, aber genauso wichtig ist mir, dass ich dort die ganzen anderen Jungs treffe und mit ihnen fahren gehen kann. Außerdem muss doch auch jemand auf die Partys gehen!
Weil wir gerade beim Thema Contest sind. Du warst ja einer der Revoluzzer von Mailand, was ist dort deiner Meinung nach falsch gelaufen und was müsste man ändern?
Die meisten Contests sind ja schon gut organisiert, aber es gibt zwischendurch wieder Events, wo einfach alles drunter und drüber geht. Da kommt es mir dann so vor, als ob irgendwelche Liftbetreiber nur etwas ausrichten, damit bei ihnen an der Anlage auch mal was los ist und sie eine private Wakeboard-Show bekommen. Dann steht leider das persönliche Interesse und nicht der Sport im Vordergrund. Es wäre halt wichtig, dass man wieder Sponsoren findet, die Bock haben den Sport weiter zu pushen und etwas mehr Kohle in Events zu investieren.
Können die Fahrer selbst etwas dazu beitragen?
Auf jeden Fall. Die Fahrer sollten ganz einfach selbst mehr in die Organisation eingebaut werden, denn die wissen ja genau wie es ablaufen muss. Langenfeld und die LA Wakeboard Challange gehen in dieser Hinsicht mit Sicherheit absolut den richtigen Weg. Benni, Flori (Süß) und Hardy (Tunnissen) haben auch dieses Jahr wieder bewiesen, dass ein Event von Fahrern für Fahrer einfach der Hammer ist.

Du hast dich erst kürzlich im Allgäu übel am Kicker zerlegt. Du bist ja angeblich so böse mit dem Kopf an der Kante aufgeschlagen, dass dein Helm in zwei Teile gebrochen ist und du erst mal knocked out warst. Gehst du immer ans Limit?
Eigentlich gar nicht. Ich überleg schon immer, ob eine Sache zu gefährlich ist oder was dabei passieren könnte. Da geh ich schon mit dem nötigen Respekt ran, denn dann kann normalerweise nicht allzu viel schief gehen. Ok, das im Allgäu war schon etwas leichtsinnig, weil ich schon beim cutten gemerkt hab, dass sich das nicht ausgeht, aber das war mir auf jeden Fall eine Lehre.
Dich zieht es ja seit zwei Jahren in den kalten Monaten ins Ausland. Fliegst du nur rein zum Wakeboarden in wärmere Gefilde oder hat das noch andere Gründe?
Natürlich will ich hauptsächlich den Winter etwas verkürzen und so viele Tage im Jahr auf dem Wasser stehen, wie es nur möglich ist. Aber ich finde es auch super, neue Leute und Kulturen kennen zu lernen und es interessiert mich auch voll zu sehen, wo unser Sport in Australien oder Thailand steht.

Fetzy ist nicht ganz einverstanden.
Du fährst ja nicht nur Anlage, sondern zwischendurch auch Boot. Wie wichtig ist dir das?
Also wenn ich es mir leisten könnte, dann würde ich fast nur Boot fahren, weil es mir wahnsinnig viel Spaß macht. Das Problem in Deutschland ist halt, dass es zu wenig Möglichkeiten gibt, die auf Dauer erschwinglich sind.
Du hast ja in deiner relativ kurzen Karriere schon einiges erreicht, welche Ziele hast du für die nächsten Jahre?
Das Gute an Brettsportarten ist ja, dass nie Schluss ist, denn die Tricks werden sich sicherlich weiterentwickeln und auch stylemäßig kann man auch immer an sich arbeiten. Ich will einfach mein Fahren noch mehr ausbauen und zum Beispiel neue schwierigere Grabs lernen. Ich muss also nicht unbedingt Welt- oder Europameister werden um glücklich zu sein, sondern ich will einfach weiterhin Spaß dabei haben.
Möchtest du noch irgendetwas loswerden?
Vielen Dank an meine Eltern, meine Sponsoren Liquid Force, Sessions, Savier, Dragon Optical, meine Heimanlage WildWakenSki in Schwandorf und euch Danke für das Interview.
Text: Wolfgang „Didi“ Dittrich
Pics: copyright wakeboard.ag

